Quo vadis hebdomada saltuum?

Als ich die Ausschreibung für die Tanzwoche 2013 verfaßte, hatte ich nicht nur programmatische, sondern auch inhaltliche und richtungsweisende Tendenzen im Hinterkopf.
Seit 20 Jahren bzw. eigentlich seit Geburt der Tanzwoche sind wir bemüht, diese immer neu zu entwickeln oder "zu erfinden".
In der Ausschreibung luden wir Produktionen ein, die sich dem Wesen des Tanzes - des nonverbalen Ausdrucks - widmen. Möglicherweise sind wir unserem eigenen Anspruch nicht in jedem Fall gerecht geworden - lassen wir uns überraschen.
2012 haben wir sehr bewußt eine neue Reihe ins Leben gerufen. „Kurz und gut" haben wir sie genannt, wobei das kein Qualitätsversprechen, sondern eine abschließende Entscheidung war, das Programm verstärkt dem Experiment und dem Unbekanntem zu öffnen.
Da wir meinen, mit diesem Schritt eine gute Richtung eingeschlagen zu haben, werden wir 2013 genau diesem Ansatz verstärkt Platz bieten.
An vier Tagen werden wir Miniaturen unterschiedlichster Handschrift erleben. Die Tanzwoche wird zum Labor, in dem neue Wege getestet werden.

Gastspiele und Uraufführungen sind seit Jahren Element der Tanzwoche - deshalb bleiben wir dieser Tradition treu. Gundula Peuthert und Paul Julius werden ihre Produktionen zur Premiere bringen. Ein besonderes Gastspiel ist die Arbeit des mit dem Prix Benois de la Danse ausgezeichneten russischen Choreografen Alexey Kononov im Societaetstheater.
Während Veselé skoky aus Prag in Dresden ja mittlerweile keine unbekannte Company mehr ist und ich darauf nicht besonders verweisen muß.
Eigentlich hatte ich vor, die Tanzwoche auf 7 Tage zu begrenzen, aber unsere Partner haben mich überzeugt, einen Prolog und einen Nachschlag zu präsentieren.
So dauert die Tanzwoche wieder vom 19. - 29. 04., umfaßt mehr als 40 künstlerische Produktionen und befindet sich auf einem spannenden Weg.
Auch wenn wir den geänderten Bedingungen und dem Budget Rechnung tragen müssen. Aber warum soll der Wandel in der Gesellschaft ausgerechnet vor der Tanzwoche Halt machen. So wird es 2013 keine Kinderproduktion im tjg geben, da uns der Spielraum fehlt. Auch die Scheune - Partner seit 1993 - ist nicht im Programm vertreten. Übrigens sind Veränderungen nicht ungewöhnlich, schon vor drei Jahren mußten wir die Partnerschafft mit der Kleinen Szene beenden.

Also, wohin gehst du - Woche des Tanzes in Dresden.

Ich bin guter Dinge - inhaltlich wie partnerschaftlich ist das Festival auf einem spannenden Weg.
Was uns im Team eint, ist der Wunsch, dem Tanz verstärkt zur Präsenz zu verhelfen.
Wenn wir 2013 regressiv das gesprochene Wort aus den Produktionen zu verbannnen suchten, so ist dies nur ein erster Schritt.
Richtungsweisend für die nächsten Tanzwochen sollten Produktionen wie die von Trefeli, drift, Stromgren etc. sein - eben hochqualitativ und dabei ironisch und heiter.
Was ich in unserem Tanzschaffen über weite Strecken vermisse, und vermutlich auch unser Publikum, ist intelligenter Humor - keine Comedy - ich meine guten und intelligenten Humor. Das ist die Richtung, die ich mit diesem Festival einschlagen möchte. Tanzen, Lust an Bewegung und Handwerk, Inspiration und Qualität ohne Plattitüde. Ich bin voller Energie und überzeugt ein Potential zu pflegen, welches uns weiter trägt als der Durchschnitt medialer Berauschung.

Es bewegt sich wieder was im Tanz unserer Stadt, wie auch der Fachtag Tanz und die Tanzplattform Sachsen – beide Anfang Mai – zeigen.

Lust darauf? Dann begleiten sie uns.

Ihr

D. G. J. Skowronek